Impuls

Kontemplation 3.12.20

In der Meditation geht es eigentlich nur um das Gewahrsein. Gewahrsein ist grundlegend für alle unsere Wahrnehmungen. Gewahrsein ist wie ein leerer Himmel, in dem die Erscheinungen, wie Wolken, Vögel, Flugzeuge, auftauchen. Oder wie die glatte Oberflache eines Sees, in dem sich alles spiegelt, die Bäume und Büsche, die Sonne,

Wenn wir meditieren, erscheinen in unserem Geist viele Gedanken, Bilder, wir empfinden Körpergefühle, wir haben vielleicht Emotionen, Wünsche, Sehnsüchte … All das können wir nur wahrnehmen, weil es das Gewahrsein in uns gibt.

Auch die Meditation und das Gegenwärtigsein sind ohne die Fähigkeit des Gewahrseins undenkbar. Wie könnten wir das Atmen oder Hören beobachten ohne Gewahrsein? Wie könnten wir uns der Gedanken oder Gefühle bewusst werden ohne Gewahrsein? Jede innere und äußere Erfahrung kann nur im Spiegel des Gewahrseins erfahrbar.

Obwohl das Gewahrsein absolut grundlegend ist für unser Leben und unsere Meditation, bleibt es selbst oft unbewusst. Wir lassen uns bannen von den vielen bunten Erscheinungen, die in unserem Geist auftauchen. Wir schauen auf die wechselnden Dinge, die sich im Spiegel des Gewahrseins zeigen und vergessen, diesen leeren Raum selbst.

Meditation heißt, sich immer wieder an diesen leeren Spiegel oder Himmel zu erinnern. Der Himmel ist in dir, sagt uns daher Angelus Silesius. Aufwachen im buddhistischen Sinne bedeutet, sich der Realität des Gewahrseins bewußt zu werden und sich nicht im ewigen Auf und Ab der wechselnden Erfahrungen zu verlieren.

Was ändert sich, wenn wir uns dieses Raumes bewusst sind? Wir werden weiter Gefühle, Gedanken, Sorgen, Pläne haben … aber wir werden dabei gelassener. Wir erkennen bei aller Regsamkeit des Geistes die grundlegende Offenheit und Freiheit, die wir im Innersten sind. Und wir lernen mit der Zeit, dass dieser innere freie Raum immer da ist in aller Bewegtheit unseres Alltags, dass wir die innere Stille immer betreten können. Wir brauchen uns nur daran zu erinnern.

Wir können versuchen, in der Mediation bewusst den Fokus unserer Erfahrung zu wechseln von den Erscheinungen, die im Geist auftauchen, zum Gewahrsein, dem leeren Raum, in dem sie kommen und gehen.

Mandorla Geometrisch